Kernpunkte
- Hochgelegene Bergpässe öffnen oft erst im späten Frühjahr – das Datum variiert jedes Jahr.
- Der Juli ist der vollste und teuerste Monat, im Binnenland auch der Mückenmonat.
- Die Mitternachtssonne ist nördlich des Polarkreises Ende Juni am stärksten.
- September bringt Herbstfarben, Ruhe und die erste Chance auf Nordlichter.
- Außerhalb von Juli und August sind Campingplätze und Fähren oft günstiger.
Die Frage, wann man nach Norwegen reisen sollte, wird fast immer mit „im Sommer“ beantwortet. Das ist zwar richtig, hilft dir aber nicht weiter. Denn zwischen Mitte Mai und Mitte September liegen Welten – in dem, was geöffnet ist, was es kostet und mit wie vielen Menschen du dir das Land teilst. Deine Abreise aus Deutschland planst du am besten über die Fährhäfen in Kiel, Rostock oder Travemünde, oder auf dem Landweg über Dänemark.
Was die Saison bestimmt: Schnee, nicht Temperatur
Die entscheidende Variable für deine Wohnmobilreise in Norwegen ist nicht das Wetter, sondern der Schnee. Viele der schönsten Routen, die sogenannten Norwegischen Landschaftsrouten, führen über hochgelegene Pässe, die erst nach der Schneeräumung öffnen.
Diese Öffnungsdaten können sich von Jahr zu Jahr um Wochen verschieben. Ein harter Winter verzögert den gesamten Frühling. Prüfe daher vor und während der Reise immer den aktuellen Status auf der offiziellen Seite vegvesen.no. Das ist der wichtigste Grund, eine Norwegen-Route nicht starr festzulegen: Ist ein Pass gesperrt, musst du umkehren, und ein Umweg bedeutet in Norwegen selten nur ein paar Kilometer mehr.
An der Küste und in den Fjorden ist dies weniger ein Problem. Diese Gebiete sind die ganze Saison über erreichbar.
Mai
Ruhig, grün und die Wasserfälle sind durch die Schneeschmelze am imposantesten. Entlang der Küste und in den Fjorden ein herrlicher Monat mit wenigen anderen Reisenden und günstigeren Preisen für Fähren und Campingplätze.
Die Kehrseite: Hochgelegene Routen im Landesinneren können noch geschlossen sein, manche Campingplätze öffnen erst im Laufe des Monats und nachts ist es noch kalt. Du brauchst ein gut isoliertes Wohnmobil mit einer zuverlässigen Heizung, um die Nächte komfortabel zu verbringen.
Juni
Für viele Wohnmobilisten der beste Monat. Die Tage sind extrem lang – nördlich des Polarkreises wird es gar nicht mehr dunkel –, die meisten Pässe sind offen und der große Ansturm der Hauptsaison fehlt noch.
Gegen Ende Juni erreicht die Mitternachtssonne nördlich des Polarkreises ihren Höhepunkt. Es ist eine besondere Erfahrung, um halb zwei Uhr nachts ohne Lampe draußen zu sitzen; es verändert deinen gesamten Tagesrhythmus grundlegend.
Juli
Der vollste und teuerste Monat, aber auch der verlässlichste in Bezug auf Wetter und Erreichbarkeit. Alles ist geöffnet.
Zwei Dinge musst du bedenken. Erstens der Andrang: Die bekannten Hotspots – Lofoten, Geiranger, Trolltunga, Preikestolen – sind überlaufen. Das freie Stehen ist zwar dank Jedermannsrecht (Allemannsretten) oft möglich, aber an diesen Orten sind die guten Plätze schnell belegt und das Übernachten oft explizit verboten. Erwarte keine Stellplatz-Infrastruktur mit Ver- und Entsorgung wie in Deutschland. Zweitens die Mücken, besonders im Binnenland und in der Nähe von Seen und Mooren.
August
Wird oft unterschätzt. Die erste Hälfte ist noch Hochsommer, aber sobald die deutschen und norwegischen Schulferien enden, wird es merklich ruhiger. Die Nächte werden wieder dunkel, was bedeutet, dass gegen Ende des Monats im Norden bereits die Chance auf Nordlichter besteht.
Das Wasser in den Fjorden und Seen ist am wärmsten und die Mückenplage lässt nach. Für viele Reisende die beste Balance.
September
Ruhig, günstig und visuell vielleicht der schönste Monat: Das Herbstlicht und die Farben der Birkenwälder und der Tundra sind spektakulär. Besonders für Fahrer mit dem alten Führerschein der Klasse 3, die ein schwereres Wohnmobil über 3,5 t fahren, ist dies eine entspannte Reisezeit.
Rechne jedoch mit kürzeren Tagen, kälterem Wetter, mehr Regen an der Westküste und damit, dass Campingplätze und Serviceeinrichtungen im Laufe des Monats schließen. Hochgelegene Pässe können ab Ende September bei frühem Schneefall wieder schließen.
Für alle, die Nordlichter sehen und mit dem Wohnmobil reisen wollen, beginnt hier die Saison.
Außerhalb der Saison
Von Oktober bis April ist Norwegen mit dem Wohnmobil ein Projekt für erfahrene Wintercamper. Es ist möglich, erfordert aber ein winterfestes Wohnmobil (Doppelboden, gute Isolierung), Winterreifen (mit Schneeflockensymbol, oft auch Spikes) und Erfahrung. Eine Routenwahl, die permanent geschlossene Nebenstraßen und kaum vorhandene Infrastruktur berücksichtigt, ist zwingend. Dies ist keine Reise für das erste Mal im Wohnmobil.
Der Monat, der zu dir passt
Zusammenfassend: Willst du lange Tage und die Mitternachtssonne, fahr im Juni. Willst du Wettersicherheit und alles geöffnet, fahr im Juli und plane um die Hotspots herum. Suchst du die beste Balance, wähle die zweite Augusthälfte. Willst du Ruhe, Herbstfarben und Nordlichter, fahr im September.
Egal, für welchen Monat du dich entscheidest, die nächste Frage ist die schwierigere: Welche Route passt zu diesem Monat? Eine im Juli logische Route kann im Mai an einem geschlossenen Pass scheitern – und das bemerkst du lieber bei der Planung zu Hause als unterwegs.
Häufige Fragen
Über den Autor
Mitgründer von Camproads
Ard-Jan ist Mitgründer von Camproads. Er kümmert sich um die Inhalte der Routen: welche Stopps sich lohnen, in welcher Reihenfolge eine Reise sinnvoll verläuft und wie sich eine Etappe einteilen lässt, damit Zeit zum Bleiben übrig bleibt. Er schreibt über Reisevorbereitung, Fahrzeugtypen und die Entscheidungen, die vor der Abfahrt anstehen.
Mitgründer von Camproads · Routenzusammenstellung und Reisevorbereitung


