Kernpunkte
- Ein Wohnmobil ist kein umweltfreundliches Fahrzeug; der Verbrauch pro Kilometer ist hoch.
- Eine Wohnmobilreise ersetzt jedoch Transport, Unterkunft und oft auch Restaurantbesuche.
- Die Anzahl der gefahrenen Kilometer hat einen größeren Einfluss auf die Ökobilanz als die Wahl des Fahrzeugs.
- Reisen außerhalb der Hochsaison reduziert die Belastung für die besuchten Orte.
- Grau- und Schwarzwasser gehören ausschließlich in offizielle Entsorgungsstationen.
Wir verkaufen Wohnmobilreisen. Seien wir ehrlich: Ein Wohnmobil ist kein grünes Fahrzeug. Es ist schwer, hoch, verbraucht viel und ist nicht aerodynamisch. Das gilt für den 3,5-Tonnen-Kastenwagen (Führerscheinklasse B) genauso wie für schwere Modelle, die mit dem alten Führerschein der Klasse 3 gefahren werden. Wer glaubt, mit einem Haus auf Rädern die Umwelt zu schonen, irrt.
So, und jetzt zur Differenzierung.
Warum der Vergleich schwieriger ist, als er scheint
Ein Wohnmobil ist nicht nur Transportmittel, sondern die Reise selbst. Es ersetzt Flug, Pkw, Hotel und oft auch Restaurantbesuche. Das macht einen fairen Vergleich komplex: Man vergleicht nicht Wohnmobil mit Pkw, sondern eine komplette Reiseform mit einer anderen, die Flug, Unterkunft und Transport vor Ort umfasst. Ein Hotel wird beheizt und gereinigt – das fließt in die Bilanz ein.
Was sich aber nicht wegdiskutieren lässt, ist die Distanz. Tausende Kilometer für eine Woche Urlaub sind immer ungünstig. Und eine Person allein in einem 3,5-Tonnen-Wohnmobil hat eine schlechtere Bilanz als vier.
Der Hebel, der wirklich zählt
Wenn du eine Sache ändern willst: Fahre weniger.
Das ist simple Mathematik. Die Anzahl der Kilometer hat einen größeren Einfluss als die Wahl des Wohnmobils oder der Fahrstil. Eine Reise, auf der du drei Regionen intensiv kennenlernst, verbraucht deutlich weniger als eine, auf der du acht Ziele abhakst.
Der oft gesehene Fehler, zu viel sehen zu wollen, ist auch der ökologische Kardinalfehler. Weniger fahren bedeutet mehr Urlaubsgefühl und weniger Verbrauch – eine Entscheidung ohne Kompromisse.
Was außerdem zählt
Reisen außerhalb der Hochsaison. Das entlastet empfindliche Orte. Die Lofoten im Juli und im September sind zwei verschiedene Welten. Zudem reist du günstiger und ruhiger.
Lokal einkaufen. Mit Vorräten aus dem deutschen Supermarkt anzureisen, lässt die lokale Wirtschaft leer ausgehen. Das macht Wohnmobilisten unbeliebt. Lokal einkaufen ist eine einfache und faire Geste.
Wasser und Abfall. Grau- und Schwarzwasser gehören ausschließlich in offizielle Entsorgungsstationen. Keine Seife in Gewässer, auch keine biologisch abbaubare. Abfall mitnehmen. Das ist kein großer Klimagewinn, aber entscheidend für die Akzeptanz vor Ort.
Länger an einem Ort bleiben. Ein stehendes Wohnmobil verbraucht fast nichts.
Wo wir selbst eine Grenze ziehen
Wir bieten keine Flug- oder Kreuzfahrtreisen an. Nicht weil Fliegen per se schlecht ist, sondern weil wir keine Reisen verkaufen wollen, bei denen der Transport die größte Umweltlast bei geringstem Erlebniswert darstellt.
Reisen über Land ist langsamer. Das ist kein Nachteil, sondern der Reiz. Du siehst die Landschaft sich verändern, kommst durch unspektakuläre Orte und verstehst, wo du bist, weil du selbst dorthin gefahren bist.
Was das in der Praxis bedeutet
Nachhaltig reisen mit dem Wohnmobil ist keine Frage von Solaranlagen. Es ist eine Frage der Route.
Eine kompaktere Route mit längeren Stopps, außerhalb der Hauptsaison, mit lokalen Produkten – das ist die ganze Liste. Und es ist genau die Art von Reise, die am meisten in Erinnerung bleibt.
Die Frage ist nur, wie eine solche Route für dein Ziel und deine Zeit aussieht. Denn „weniger fahren“ ist leicht gesagt, bevor man ausrechnet, was dann wegfällt.
Häufige Fragen
Über den Autor
Mitgründer von Camproads